Gusti Steiner – einer von 100 Köpfen der Demokratie in Deutschland?
Eine starke Stimme für ein Leben in Freiheit, so wie der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer und Bundespräsident Gustav Heinemann? Der Sozialarbeiter Steiner in einer Reihe mit so bedeutenden Menschen wie Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, Studentenführer Rudi Dutschke oder Georg Förster, der sich zu Napoleons Zeiten für Demokratie stark machte im niedergehenden Heiligen Römischen Reich deutscher Nation?

Die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus (tth) sieht Steiner jedenfalls als einen Kopf der deutschen Demokratie. Die Organisation ist eine überparteiliche Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Stuttgart. Sie betreibt zeitgeschichtliche Forschung und politische Bildung und erinnert u.a. an das Leben und Werk des ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss (1884–1963). Der Bund finanziert die Arbeit der Stiftung. 2020 stellte die Stiftung das Digitalprojekt „100 Köpfe der Demokratie. Biographische Zugänge zur Demokratiegeschichte in Deutschland“ online und entwickelte es in den vergangenen Jahren als eigenes Programm weiter. Projektbetreuer Jan Ruhkopf erfuhr, dass Nutzer des digitalen Angebots zusätzlich gern „auch etwas zum Anfassen“ hätten, um die 100 Köpfe quasi immer griffbereit zu haben. Eh voilà – es entstand ein Buch, 224 Seiten stark, erschienen Ende vergangenen Jahres.

Jedem „Demokratie-Kopf“ sind zwei Seiten gewidmet: Unter einer programmatischen Zeile – bei Gusti Steiner lautet sie „Nichts über uns – ohne uns“ – erscheinen auf der ersten Seite die Eckdaten der Persönlichkeit und es wird ihre Arbeit oder Mission beschrieben. Seite 2 nutzt der renommierte Illustrator und Comic- Künstler Simon Schwartz, um in Bildern den geehrten Menschen vorzustellen. Manchmal sind es gleichzeitig auch zwei: Der SPD-Chef Kurt Schumacher und seine Partnerin Annemarie Renger, die erste Bundestagspräsidentin. Oder die grüne Bundestagsabgeordnete Petra Kelly und ihr Partner General Gert Bastian, die gemeinsam durchs politische Leben bis zu ihrem Tod gingen.
Wie ist die tth-Stiftung zu ihrer Auswahl gekommen, warum zählt Gusti Steiner dazu? Es geht ihr darum, durch die portraitierten Frauen und Männer eine möglichst große Vielfalt demokratischer Wege nachzuzeichnen. Dabei soll aufgezeigt werden, dass Demokratie immer im Wandel und niemals perfekt ist; allen Köpfen sei gleich, dass sie nach mehr Freiheit und Gleichheit strebten.
Und damit passiert es, dass auch der bei vielen hoch umstrittene bayerische CSU-Politiker Franz Josef Strauß Eingang in das Buch findet ebenso wie die ermordete Kommunistin Rosa Luxemburg, die aktuell von der Partei „Die Linke“ gern beansprucht wird. Was Gusti Steiner, der im Buch von Rudi Dutschke und dem DDR-Kritiker Rudolf Bahro flankiert wird, zur Auswahl der „Köpfe“ gesagt hätte? Wir wissen es nicht. Allerdings lacht Steiner auf seinem Bild im Buch den Leser an und kneift ihm ein Auge…..

„100 Köpfe der Demokratie“, Herausgeber Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Bearbeitung Jan Ruhkopf, Illustrationen Simon Schwartz,
